Kategorien-Archiv Informationen rund um die Lehre

402 offene Lehrstellen in Wien! Wirklich?

Im April 2018 gab es  laut den offiziellen Zahlen des Sozialministeriums in Wien 1747 Lehrstellensuchende. Tatsächlich dürfte diese Zahl höher anzusezten zu sein, da viele potenziell Suchende derzeit noch eine Schule besuchen. Darunter befinden sich vornehmlich Schüler*innen des Polytechnikums, aber auch sehr viele HTL-Schüler*innen, die Gefahr laufen, das Jahr wiederholen zu müssen oder bereits ein Jahr wiederholen. Dazu gesellen sich noch Menschen, die eine Umschulung oder Qualifizierung in Form einer Lehre suchen. All diese Personen werden von der Statistik nicht erfasst.

Diesen 1747 plus X an Lehrstellensuchenden stehen in Wien offiziell 402 offene Lehrstellen gegenüber. Mit anderen Worten: In Wien kommen auf eine offene Lehrstelle 4 bis 5 Lehrlinge. Die meisten offenen Lehrstellen in Wien entfallen auf den Dienstleistungssektor: 181 offene Stellen wurden hier gemeldet. Auf „Handel und Verkehr“ entfallen laut Sozialministerium 89 Stellen. Auf Platz 3 finden wir „Industrie und Gewerbe“ mit 48 Stellenangeboten.

Statistiken

Studie des AMS spricht von durchschnittlich 450 Lehrstellen

Interessant ist in diesem Zusammenhang ist, dass eine im März 2018 von AMS und SYSTHESIS Forschung herausgegebene Studie bestätigt, dass die aktuellen Zahlen unter dem Schnitt liegen. In der Studie heißt es auf Wien bezogen: „Der jahresdurchschnittliche Bestand an (sofort verfügbaren) Lehrstellensuchenden wird in Wien bei 2.250 liegen, parallel dazu werden 450 (sofort verfügbare) offene Lehrstellen gemeldet sein.“ (SYNTHESIS; 2018; Seite 24).

Mehr offene Stellen im e-Jobroom

Wenn man über den e-Jobroom des AMS nach Lehrstellen z.B. im ersten Wiener Gemeindebezirk sucht, werden 117 verschiedene Lehrstellen ausgewiesen. Nehmen wir den zweiten Wiener Gemeindebezirk kommen 73 Lehrstellen dazu. Der dritte Wiener Gemeindebezirk meldet 83 offene Lehrstellen.  In den Bezirken außerhalb des Gürtels sind es dann meist nur 30 bis 40 pro Bezirk. Dennoch: Addiert mal alle Bezirke wird man weit über die 402 von der Statistik ausgewiesenen Lehrstellen kommen.

Lehrlingsportal mit 346 offenen Stellen

Das Portal Lehrstellen.at weist 48 Lehrstellen in Wien auf (Stand 03. 05.). Das „Lehrlingsportal.at“ verzeichnet  alleine für Wien 346 Stellenangebote (Stand 03. 05.) – ein Wert, der gar nicht so weit entfernt liegt von der offiziellen Zahl des Sozialministeriums. Hinzu kommen viele Stellenangebote, die per Aushang in den einzelnen Geschäften und Filialen ausgewiesen oder über Facebook verbreitet werden.

Ausweichen auf unterschiedliche Berufe

Es gibt also gute Indizien dafür, dass in Wien weitaus mehr Lehrstellen als bekannt vorhanden sind. Es ist jedoch auch sehr wahrscheinlich, dass  das vermeintlich günstige Verhältnis  zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden  von 1  zu 4,4 (auf 1 offene Lehrstelle kommen kaufmännisch aufgerundet 4,4 Lehrstellensuchende) nicht den Tatsachen entspricht und wir davon ausgehen müssen, dass auf eine offene Lehrstelle in Wien wesentlich mehr Lehrlinge kommen als angenommen. Außerdem muss  nach Branchen differenziert werden. Wir wissen, dass der Tourismus deutlich weniger Lehrlinge anzieht als der Handel oder die KFZ-Branche (letztere Branche vor allem bei Burschen).

Was kann man also tun: Frei nach Erich Kästner kann man also nur empfehlen, nicht nur den Schulbüchern, sondern auch gelegentlich den offiziellen Zahlen zu misstrauen. Lehrlinge sollten sich über die Chancen in den verschiedenen Branchen informieren und sich nicht nur auf eine Lehre fixieren. Hier empfiehlt es sich über den Tellerrand zu schauen, eines der zahlreichen Berufsorientierungsangebote anzunehmen und sich dann konsequent zu bewerben. Denn eines ist klar: Es gibt über 200 Lehrberufe – und wir wissen auch, dass viele Lehrstellensuchende sich nur auf naheliegende Berufe bewerben.


Quellen:

Österreich sucht den Tourismus/Gastro-Star!

Vom 18. bis 20. April 2018 findet die  Österreichischen Staatsmeisterschaft der Lehrlinge in Tourismusberufen statt. 81 der besten Lehrlinge aus Österreich wetteifern um den Titel und die Qualifikationen für die internationalen Bewerbe.

Ende April ist die Berufsschule Obertrum in Salzburg der Austragungsort für die österreichischen Staatsmeisterschaften bei denen Lehrlinge aus den Kategorien „Küche“, „Service“ und „Hotel- und Gastgewerbeassistent/-in“ gegeneinander antreten um ihr erlerntes Wissen und ihr Können unter Beweis zu stellen.

Die Staatsmeisterschaften der Lehrlinge gelten auch als zweiter Zwischenschritt für die Qualifikation für die weiteren internationalen Bewerbe (Euro- und World Skills).  Die Teilnehmer*innen bekommen Mitte April zahlreiche unbekannte Aufgaben gestellt, die es zu absolvieren gilt. Die Organisator*innen der Meisterschaften legen großen Wert darauf, dass Wertschätzung, Fairness und Respekt an erster Stelle stehen und sind bemüht – bei aller Konkurrenz – das Miteinander in den Vordergrund zu stellen.

Mehr als Tellerträger…

Meisterschaften 2017

2017 wurden  27 Gold-, 37 Silber- und 17 Bronze-Medaillen vergeben.  „Staatsmeister-Gold“ holten Magdalena Eschelmüller (Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs in NÖ) im Service, Franziska Kullmann (Wellness Hotel Engel in Grän in Tirol) in der Küche und Stefanie Bauernhofer (Naturparkhotel Bauernhofer in Heilbrunn in der Steiermark) im Bereich Hotel- und Gastgewerbeassistent/-in. Der Titel für das beste Bundesland ging an die Steiermark. Den zweiten Platz in der Teamwertung belegte Niederösterreich, Rang drei ging an das Gastgeberland Salzburg.

Qualität auch bei den World Skills in Abu Dhabi

Auch bei den Weltmeisterschaften in Abu Dhabi konnte Österreich in den Gastronomiesparten zeigen, dass sie den hohen internationalen Standards gewachsen sind. Konditorin Magdalena Halbmayr (Kurkonditorei Oberlaa) holte in ihrer Sparte „Silber“, Koch Christoph Fürnschuss (Haberl & Fink’s) und  Restaurantfachfrau Monika Pöllabauer (Landgasthof Willingshofer) sicherten jeweils eine Bronze-Medaille in ihren Fächern. Um die Leistungen richtig einzuordnen seien folgende Zahlen erwähnt:  Über 1.200 Teilnehmer*innen aus 77 Nationen kämpften vom 15. bis 18. Oktober 2017 in Abu Dahbi in 51 Wettbewerbsberufen um Medaillen.

Langer Weg der Qualifikation

Um jedoch an den Euro- oder Worldskills teilnehmen zu dürfen, ist ein langer Weg zurück zu legen. Zuerst nehmen die Lehrlinge an den jeweiligen Landesmeisterschaften teil. Die Top 3 der jeweiligen Bundesländer treten zur Staatsmeisterschaft der Lehrlinge an. Dann geht es zu den Juniorenstaatsmeisterschaften, wo die Staatsmeister*innen der letzten beiden Jahre, die punktestärksten Teilnehmer*innen in den jeweiligen Sparten und jeweils ein Kandidat oder eine Kandidatin, die über die Fachgruppe nominiert werden kann, antreten.

Voraussetzung bei den Juniorenstaatsmeisterschaften ist weiters ein absolvierter Lehrabschluss. Die Gewinner*in der Juniorenstaatsmeisterschaften fahren zu den World-Skills und die die Zweitplatzierten zu den Euro-Skills. Nebenbei sein noch bemerkt, dass die Vorbereitung für die jeweiligen Bewerbe zumeist in der Freizeit absolviert werden.

Wir können also sicher sein, dass einige Teilnehmer*innen der Lehrlingsstaatsmeisterschaften in wenigen Jahren zu den Welt- und/ oder Europameisterschaften fahren. We keep watching!

Weiteres Minus bei Lehrstellensuchenden im Jahresvergleich

Die Arbeitsmarktzahlen sind erfreulich. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Die verbesserte Arbeitsmarktsituation zeigt sich auch bei den Lehrlingen. So liegt Ende Februar 2018 die Zahl der Lehrstellensuchenden um -4,9% unter dem Vorjahreswert. Der Bestand an gemeldeten offenen Lehrstellen hat um +20.5% zugenommen.

Laut Sozialministerium stehen bundesweit für 5.047 Lehrstellensuchende derzeit 4.947 betriebliche Lehrstellen, die dem AMS gemeldet wurden, zur Verfügung.  Mit anderen Worten: Auf eine freie Leerstelle kommt etwas mehr als ein Lehrling. Die in überbetrieblichen Betrieben ausgebildeten Lehrlinge scheinen in dieser Statistik nicht auf. Die Zahl der Lehrlinge in vom AMS geförderten überbetrieblichen Lehrausbildungseinrichtungen ist gegenüber dem Vorjahr bundesweit leicht rückgängig. Dies ist auf das verbesserte Lehrstellenangebot zurück zu führen.

Allerdings sind diese Zahlen ein wenig zu hinterfragen. Aufgrund von Lehrstellenbewerbungen wissen wir, dass viele Lehrstellensuchende nicht beim AMS gemeldet sind, da sie noch zur Schule gehen. Gerade HTL-Schüler*innen im ersten oder zweiten Lehrjahr, die in der HTL nur schwer mitkommen, sind hier zu nennen.

Mehr freie Lehrplätze als Lehrstellensuchende gibt es besonders in den westlichen Bundesländern: vor allem in Tirol und Salzburg – bedingt durch die Nachfrage in Tourismusberufen – aber auch in Oberösterreich. Deutlich mehr Lehrstellensuchende als offene Lehrstellen gibt es insbesondere in Wien.

Es herrscht also ein West-Ost-Gefälle. Die Lehrstellensuchenden aus Wien können leider nicht einfach so auf die Lehrstellen in Tirol oder in Oberösterreich verteilt werden. Mit anderen Worten: Auch bei den Lehrstellen gibt es ein Mobilitätsproblem.

Des einen Freud‘ – des anderen Leid… Zahlenspiele

… lautet ein altes, etwas abgedroschenes Sprichwort. Ein alter Hut. Ebenso wie der Spruch vom Rauch und vom Feuer. Und doch funktionieren die Zahlenspiele namens Statistik, so wie alte Sprichwörter. Ein Beispiel: Die Wirtschaft freut sich über viele neue Lehrlinge. Die Arbeitnehmerseite bedauert natürlich den Mangel an Lehrstellen. Zwei kommunizierende Gefäße.

Mehr Lehrstellen und zu viele Suchende

Nachdem die WKO im Januar 2018 über ein Plus bei Lehrstellen informierte, zieht die AK (Arbeiterkammer) nach und kritisiert, dass immer noch Lehrstellen fehlen. Laut „AK für Sie“ (Ausgabe Februar 2018) würden in Österreich 22.000 Jugendliche eine Lehrstelle suchen. Diese Zahl setzt sich aus jungen Menschen, die sich direkt bewerben, die beim AMS gemeldet sind und jenen in überbetrieblichen Ausbildungen zusammen. Knapp 7.000 Lehrlinge könnten sofort vermittelt werden, da sie beim AMS gemeldet sind (Stand AK; Nov/2017)

Die Wirtschaft würde laut AK österreichweit jedoch nur 4.300 Lehrstellen anbieten (Stand Dezember 2017). Aktuell seien es sogar 5000. Die Vertreter*innen der Arbeiterkammer sind daher der Meinung, dass der von der Wirtschaft bemängelte Fachkräftemangel nicht so hoch sein könnte. Die Logik ist bestechend: Wenn auf der einen Seite zu wenig Lehrstellen vorhanden sind und auf der anderen Seite Lehrstellen nicht besetzt werden können, passt etwas nicht. Dazu braucht man kein Genie zu sein. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels dürfte es ja keine offenen Lehrstellen geben und die Betriebe brauchten nur Lehrlinge aufnehmen. Einfach oder?

Es geht um die Art der Darstellung

Die Frage, wieso es bei 22.000 Lehrstellensuchenden und gerade 5.000 angebotenen Lehrstellen überhaupt offene Lehrstellen gibt, wird weder von AK noch von WKO wirklich beantwortet. Helmut Mahringer vom wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) klärt in der Bezirkszeitung auf:

 „Die WKÖ stellt offensichtlich offene Lehrstellen und Lehrstellensuchende unabhängig von deren aktueller Verfügbarkeit einander gegenüber. Die AK errechnet fehlende Lehrstellen von rund 17.700 anhand der Differenz zwischen sofort verfügbaren offenen Lehrstellen und der Summe aus sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden und Jugendlichen in AMS-Schulungen inklusive der Jugendlichen in überbetrieblichen Lehrausbildungen.“ erklärt Mahringer.

Lehrstellensuchenden wird es wahrscheinlich ziemlich egal sein, wer nun recht hat. Sie wollen eine Lehre machen, im Optimalfall in einem Beruf, den sie mögen und den sie mehr als nur ein paar Jahre ausüben möchten. Den Betrieben werden die Zahlenspielereien auch egal sein. Sie wollen im Bestfall nicht einfach nur Lehrlinge aufnehmen, sondern für die Zukunft ausbilden und lange im Betrieb behalten.

Starkes Plus bei Lehranfänger*innen im Jahr 2017

Mehr Lehrlinge in den österreichischen  Betrieben

Die guten Nachrichten sind schon länger bekannt. Es ist erfreulich, dass sich der Trend zu mehr Lehrlingen in den österreichischen Betrieben und Unternehmen weiter hält. Es handelt sich also nicht nur um eine kurze Luftblase, sondern um eine Gewissheit. In  den Ausbildungsbetrieben gab es Ende 2017 genau 29.690 Lehrlinge im ersten Lehrjahr. Dies bedeutet einen Anstieg um 4,1 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. Diese Zahlen stammen von der Wirtschaftskammer.

Weniger Lehrlinge in den überbetrieblichen Ausbildungen

Mehr Lehrlinge in den Betrieben bedeutet weniger Lehrlinge in den Einrichtungen der überbetrieblichen Lehrausbildung. Hier war ein Rückgang um 3,3 Prozent zuverzeichnen. Auch dies ist relativ neu. Viele Jugendliche mussten auf überbetriebliche Ausbildungen ausweichen, da sie keine andere Lehrstelle fanden. Auch das Sorgenkind Tourismus lässt nur Gutes von sich hören. Hier ist eine Steigerung von 7,6 Prozent bei den Lehranfänger*innen zu verzeichnen.

Vor allem ist der Anstieg der Lehranfängerzahlen in Wien erfreulich. Wien verzeichnet ein Plus von 3,5 Prozent quer durch alle Branchen..

Lehrlinge sind noch immer sehr jung

Die meisten Lehrbeginner*innen sind sehr jung. Der Anteil der 15-Jährigen ist von 38,2 Prozent im Jahr 2016 auf 39,3 Prozent im Jahr 2017 angestiegen. Allgemein zeigt sich die WKO sehr zufrieden mit dem Anstieg bei den Lehrlingen. Mehr Lehrlinge bedeutet auch mehr Fachkräfte in Zukunft. Das Thema Fachkräftemangel sollte sich also in den nächsten Jahren verbessern.

Deutlich mehr Lehrstellen bis 2022

    Foto von Climate KIC on Unsplash

Gute Nachrichten sollte man schnell in Umlauf bringen. Laut Wirtschaftskammer werden die Wiener Betriebe bis ins Jahr 2022 rund 40.000 neue Jobs schaffen. Diese Zahlen basieren auf der Bildungsbedarfsanalyse 2017, die seit 2013 jedes zweite Jahr erhoben und präsentiert wird. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt auf der Frage, welche Bildungsabschlüsse in den kommenden fünf Jahren von den Wiener Unternehmen besonders nachgefragt werden. Die Untersuchung befragte mehr als 1500 Unternehmen in allen Branchen und Sparten. Die befragten Unternehmen repräsentieren zirka 100.000 Arbeitnehmer*innen.

Dauerbrenner: Lehrstellen

Der Bedarf an Lehrlingen wird laut der Bildungsbedarfsanalyse steigen. Dies liegt vor allem daran, dass Lehrstellen nicht besetzt werden können, da „geeignete“ Lehrlinge fehlen. Insgesamt sind die Zahlen bei der Lehrlingsfrage sehr unterschiedlich. Knapp 10 Prozent der befragten Unternehmen sprechen sogar davon, dass es ein Überangebot an Lehrlingen gäbe, 34 Prozent sprechen von zu wenig passenden Lehrlingen. Dies erklärt vielleicht warum 2016  in Wien alleine 600 Lehrstellen nicht besetzt wurden. Den 600 unbesetzten Lehrstellen stehen 16.800 Lehrlinge in 4000 Betrieben gegenüber. In diesem Zusammenhang monieren die Vertreter*innen der Wirtschaftskammer, zum wiederholten Male, fehlende Kenntnisse bei den Basiskompetenzen wie Lesen, Rechnen etc. Auch das Polytechnikum wird in diesem Zusammenhang kritisiert.

Da verwundert es nur wenig, dass knapp 50 Prozent der befragten Betriebe glauben, dass Lehrlinge aus den Bundesländern besser seien, als jene in Wien. Diese These ist angesichts der Zusammenstellung der Nationalmannschaft der Jungfacharbeiter*innen für die diversen World und Euroskills nicht ganz von der Hand zu weisen.

Positiv ist noch zu vermerken, dass das Stichwort „Karriere mit Lehre“ weit mehr ist als eine charmante Floskel. In 29 Prozent der Fälle würden ehemalige Lehrlinge Führungsaufgaben übernehmen.

Welche Lehrberufe werden nachgefragt?

Mit Ausnahme der Branche „Transport und Verkehr“ steigt die Nachfrage nach Lehrlingen in allen Bereichen. Besonders erfreulich ist, dass man in den Sparten Industrie, Handel und Information resp. Consulting mit einem Plus von über 20 Prozent rechnet. In absoluten Zahlen ist das Gewerbe jener Zweig mit dem stärksten Anstieg. Immerhin rechnet man mit einem Plus von 143 Lehrlingen in den nächsten Jahren.

Quelle: Bildungsbedarfsanalyse 2017 / WKO

Lehre und Matura

Die Kombination aus AHS-Matura (aufgrund der vermittelten Allgemeinbildung) mit  einem anschließenden Technik-Studium seien eine gute Kombination und ein ziemlicher Jobgarant. Da die Matura alleine nicht reicht, denkt die Wirtschaftskammer laut darüber nach,  Maturant*innen den Zugang zu einer verkürzten Lehre zu erleichtern.  Somit würde die Lehre für Absolvent*innen einer allgemein höheren Bildungsanstalt sicherlich schmackhafter.


Den gesamten Artikel können Sie auf whatelsen.work lesen

Deutliches Plus bei Lehranfänger*innen und Talentechecks für alle

Die Anzahl der Lehranfänger*innen im ersten Jahr hat sich quer durch die Branchen um 4,2 Prozent gesteigert. Nicht ganz so hoch sind die Prozentwerte in Österreichs größter Ausbildungssparte. Die Ergebnisse zeigen aber auch hier ein deutliches Plus.

„Die Zahlen der Jugendlichen, die sich in ihrem ersten Lehrjahr befinden, geben uns Grund zur Freude: Denn in Gewerbe und Handwerk, Österreichs größte Arbeitgeber- und größte Lehrlingssparte befinden sich mit Ende Oktober um 3,8 Prozent oder 495 Lehrlinge mehr in Ausbildung als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit einher geht natürlich auch ein Plus bei den Ausbildungsbetrieben“ freut sich die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster. (OTS0164)

Talentechecks für alle

Christoph Leitl von der Wirtschaftskammer führt dieses Plus bei den Lehren weitgehend auf die so genannten Talentechecks für 13 und 14-Jährige Jugendliche zurück. 75 Prozent aller Jugendlichen würden dieses Angebot nutzen. Christoph Leitl will das Angebot der Talentechecks ausbauen. Die WKO verlangt bekannterweise einen verpflichtenden Talentecheck in der 7. Schulstufe für alle Jugendlichen. Tatsächlich werden Potenzialanalysen für Jugendliche von der Wirtschaftskammer übernommen. In Oberösterreich führt beispielsweise das Jugendservice diese Potenzialanalysen, die immerhin einen Wert von 125 Euro darstellen, durch. Man spricht im Folder von verschiedenen psychologischen Tests (ohne genauere Angaben) und einem Beratungsgespräch.

Ob alleine die Talentechecks der WKO für das Plus bei den Lehrlingen verantwortlich sind, darf bezweifelt werden. Etliche Unternehmen spüren aufgrund der steigenden Nachfragen und der verbesserten Konjunktur den Fachkräftemangel deutlicher als in den Jahren zuvor und haben sich daher entschlossen, Lehrlinge auszubilden.

Ausbildungsreife

Die WKO nutzt die Gelegenheit die Forderung nach einheitlichen Bildungsstandards erneut zu betonen. Große Hoffnungen setzen die Vertreter*innen der Wirtschaftskammer auch in die von der zukünftigen Regierung beschlossenen „Ausbildungsreife“. „Sinnerfassendes Lesen, Schreiben, Rechnen aber auch soziale Kompetenzen müssen mit Absolvieren der Schulpflicht bei den Jugendlichen als Bildungsstandards vorausgesetzt werden können“, so Christoph Leitl. (OTS 0117)


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Probier dich aus!

210 Lehrberufe: Da fällt die Wahl nicht immer leicht. Die Wirtschaftskammer hat daher eine Plattform geschaffen, die zukünftigen Lehrlingen helfen soll, den richtigen Lehrberuf zu finden. Die Plattform richtet sich an alle, „die keinen genauen Plan haben“. Sie bietet Infos über alle Lehrberufe, gibt Hinweise, bei welchen Unternehmen man sich bewerben kann und informiert über  Projekte in den jeweiligen Bundesländern.

Karrierevorbilder

Darüber hinaus bietet „Probier dich aus!“ auch noch Informationen rund um die Lehre. Wichtige Fragen zur Lehre sind gut aufbereitet. Man bekommt schnell eine Antwort und die Sprache ist einfach und verständlich. Interessant ist auch, dass die Karrierewege von einzelnen Lehrlingen präsentiert werden. Es handelt sich dabei um keine fiktiven Lehrlinge, sondern um junge Facharbeiter*innen, die bei den World- und Euro Skills für Österreich im Einsatz waren und teilweise „fette Beute“ machten. „Lisa“ ist keine geringere als die Malerin Lisa Janisch, die 2016 in Göteborg nicht nur ihre Kategorie gewann, sondern auch als beste Nachwuchsfacharbeiterin des Bewerbs ausgezeichnet wurde.

Self Check?

Man kann auch relativ leicht Lehrbetriebe in der Nähe des Wohnortes finden. Die Auswahl ist fein säuberlich nach Branchen aufgeschlüsselt und greift auf die Datenbank der Wirtschaftskammer zu.

Der „Self Check“ soll den Jugendlichen dabei helfen, das richtige Berufsbild zu finden. Allerdings handelt es sich beim „Self Check“ eher um eine Präsentation der möglichen Lehrberufe  und weniger um einen richtigen Check im Sinne eines Interessens- und Talentechecks. Der „Self Check“ ist allerdings sehr witzig gemacht und ist ein tolles Tool um eine erste berufliche Orientierung zu bekommen.


Link: Probier Dich aus!

ÖGB Tirol schlägt Zwischenprüfungen bei Lehre vor

Auch in Tirol schaffen im Schnitt 25 Prozent der Lehrlinge die Abschlussprüfung nicht. Das ist gar nicht so wenig. Denn derzeit befinden sich laut ORF-Artikel nicht weniger als 11.000 Jugendliche in Tirol in einer Lehrausbildung. Das klingt nach viel: Dennoch sind derzeit noch immer knapp 1000 offene Lehrstellen in Tirol gemeldet.

Abgesehen von den fehlenden Lehrlingen bereitet die hohe Anzahl an Lehrlingen, die bei der Lehrabschlussprüfung durchfallen Sorgen. 2016 fielen 1.415 Lehrlinge in Tirol bei der Lehrabschlussprüfung durch. Die Kombination aus offenen Lehrplätzen und jungen Menschen ohne Lehrabschluss verstärkt den Fachkräftemangel. Natürlich ist gerade in Tirol die Sorge um Arbeitskräfte zu Beginn der Wintersaison immer besonders groß. Allerdings betreffen diese Zahlen nicht nur die Hotellerie.

Zwischenprüfungen und Verlagerung der Abschlussprüfung

Eine Lösung für das Problem kommt von unerwarteter Seite. Der ÖGB Tirol schlägt freiwillige Zwischenprüfungen für Lehrlinge und eine Verlagerung der Lehrabschlussprüfungen in die jeweiligen Fachschulen vor. Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth meint:

„Lehrlinge sollten aufgrund des umfangreichen Prüfungsstoffs die Möglichkeit haben, nach Ablauf des jeweiligen Lehrjahres freiwillig ihr angeeignetes Wissen zu überprüfen. Das positive Ergebnis sollte bei der Abschlussprüfung angerechnet und positiv bewertet werden. So bekommen sie eine Vorstellung davon, wie die Abschlussprüfung tatsächlich abläuft, und hätten weniger Druck“

Wohlgemuth kann sich auch eine Verlagerung der Lehrabschlussprüfung in die Fachberufsschule vorstellen. Somit würden die Lehrlinge die Prüfung in einer vertrauten Umgebung und auf vertrauten Maschinen ablegen können. Man hofft also auf den gleichen Effekt, den man aus dem Sport kennt. Die Heimmannschaft bringt vor eigenem Publikum und in einer vertrauten und unterstützenden Umgebung meistens bessere Leistungen als in einem fremden Stadion.


Quelle:

ORF Online

Tipps zum erfolgreichen Umgang mit Auszubildenden

Wie kann ich einen Lehrling oder eine Auszubildende optimal betreuen? Woran liegt es, dass einige Ausbildner*innen – obwohl als streng verschrien –  die besten Ergebnisse mit ihren Auszubildenden liefern? Auf was muss ich als Auszubildender/Lehrling achten? Was kann ich als Lehrling von meinen Ausbildner*innen einfordern?

Ausbildung planen

Diese Fragen sind absolut wichtig und sollten vor einem Ausbildungsverhältnis gelöst werden. Nur allzu schnell kommt es zu „Fehlern“, die dazu führen, dass der Lehrling auf einmal „nichts taugt“ und der Ausbildner oder die Ausbildnerin ganz schnell zu einem A… wird. Dies lässt sich sehr oft durch einfache Spielregeln vermeiden. Klar kommt es immer wieder vor, dass eine Grundinkompabilität zwischen Lehrling und Ausbildner*in herrscht. Auch hier kann man reagieren. Bevor ein fachlich guter Lehrling von sich aus das Unternehmen verlässt, sollte man dann vielleicht doch einen Wechsel im Ausbildnerteam vornehmen.

Im Rahmen der Gedankentanken-Akademie hat Sabine Bleumortier 5 Tipps zusammen gestellt, die nicht nur auf „Azubis“ oder Lehrlinge angewendet werden können. Schauen Sie sich das Video einfach an und ersetzen Sie Ausbildner mit Chef oder Erzieher oder Eltern…


Sabine Bleumortier ist Trainerin, Speakerin und Autorin. Sie hat sich auf die Ausbildung von Lehrlingen (Azubis) spezialisiert. Bleumortier ist seit 10 Jahren selbständige Trainerin. Nach ihrem Studium der Sozioökonomie war sie Marktforscherin. Sie wurde dann Ausbildungsleiterin für Infineon und bevor sie den Schritt in die Selbständigkeit wagte.

Link: http://www.bleumortier.de