Kategorien-Archiv Informationen rund um die Lehre

ÖGB Tirol schlägt Zwischenprüfungen bei Lehre vor

Auch in Tirol schaffen im Schnitt 25 Prozent der Lehrlinge die Abschlussprüfung nicht. Das ist gar nicht so wenig. Denn derzeit befinden sich laut ORF-Artikel nicht weniger als 11.000 Jugendliche in Tirol in einer Lehrausbildung. Das klingt nach viel: Dennoch sind derzeit noch immer knapp 1000 offene Lehrstellen in Tirol gemeldet.

Abgesehen von den fehlenden Lehrlingen bereitet die hohe Anzahl an Lehrlingen, die bei der Lehrabschlussprüfung durchfallen Sorgen. 2016 fielen 1.415 Lehrlinge in Tirol bei der Lehrabschlussprüfung durch. Die Kombination aus offenen Lehrplätzen und jungen Menschen ohne Lehrabschluss verstärkt den Fachkräftemangel. Natürlich ist gerade in Tirol die Sorge um Arbeitskräfte zu Beginn der Wintersaison immer besonders groß. Allerdings betreffen diese Zahlen nicht nur die Hotellerie.

Zwischenprüfungen und Verlagerung der Abschlussprüfung

Eine Lösung für das Problem kommt von unerwarteter Seite. Der ÖGB Tirol schlägt freiwillige Zwischenprüfungen für Lehrlinge und eine Verlagerung der Lehrabschlussprüfungen in die jeweiligen Fachschulen vor. Tirols ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth meint:

„Lehrlinge sollten aufgrund des umfangreichen Prüfungsstoffs die Möglichkeit haben, nach Ablauf des jeweiligen Lehrjahres freiwillig ihr angeeignetes Wissen zu überprüfen. Das positive Ergebnis sollte bei der Abschlussprüfung angerechnet und positiv bewertet werden. So bekommen sie eine Vorstellung davon, wie die Abschlussprüfung tatsächlich abläuft, und hätten weniger Druck“

Wohlgemuth kann sich auch eine Verlagerung der Lehrabschlussprüfung in die Fachberufsschule vorstellen. Somit würden die Lehrlinge die Prüfung in einer vertrauten Umgebung und auf vertrauten Maschinen ablegen können. Man hofft also auf den gleichen Effekt, den man aus dem Sport kennt. Die Heimmannschaft bringt vor eigenem Publikum und in einer vertrauten und unterstützenden Umgebung meistens bessere Leistungen als in einem fremden Stadion.


Quelle:

ORF Online

Tipps zum erfolgreichen Umgang mit Auszubildenden

Wie kann ich einen Lehrling oder eine Auszubildende optimal betreuen? Woran liegt es, dass einige Ausbildner*innen – obwohl als streng verschrien –  die besten Ergebnisse mit ihren Auszubildenden liefern? Auf was muss ich als Auszubildender/Lehrling achten? Was kann ich als Lehrling von meinen Ausbildner*innen einfordern?

Ausbildung planen

Diese Fragen sind absolut wichtig und sollten vor einem Ausbildungsverhältnis gelöst werden. Nur allzu schnell kommt es zu „Fehlern“, die dazu führen, dass der Lehrling auf einmal „nichts taugt“ und der Ausbildner oder die Ausbildnerin ganz schnell zu einem A… wird. Dies lässt sich sehr oft durch einfache Spielregeln vermeiden. Klar kommt es immer wieder vor, dass eine Grundinkompabilität zwischen Lehrling und Ausbildner*in herrscht. Auch hier kann man reagieren. Bevor ein fachlich guter Lehrling von sich aus das Unternehmen verlässt, sollte man dann vielleicht doch einen Wechsel im Ausbildnerteam vornehmen.

Im Rahmen der Gedankentanken-Akademie hat Sabine Bleumortier 5 Tipps zusammen gestellt, die nicht nur auf „Azubis“ oder Lehrlinge angewendet werden können. Schauen Sie sich das Video einfach an und ersetzen Sie Ausbildner mit Chef oder Erzieher oder Eltern…


Sabine Bleumortier ist Trainerin, Speakerin und Autorin. Sie hat sich auf die Ausbildung von Lehrlingen (Azubis) spezialisiert. Bleumortier ist seit 10 Jahren selbständige Trainerin. Nach ihrem Studium der Sozioökonomie war sie Marktforscherin. Sie wurde dann Ausbildungsleiterin für Infineon und bevor sie den Schritt in die Selbständigkeit wagte.

Link: http://www.bleumortier.de

Österreich unter den Top 10 bei den World Skills in Abu Dhabi

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Insgesamt 40 Teammitglieder umfasste das Nationalteam der österreichischen Jungfacharbeiter*innen, das bei den World Skills Awards 2017 in Abu Dhabi an den Start ging. Österreich startete in 36 Berufssparten. Das Team kam mit einer sensationellen 8. Platzierung im international selektiven Länderkampf und etlichen Medaillen zurück. Vier Gold-, drei Silber- und vier Bronze-Medaillen sowie 16 Diplome, sogenannte „Medallion for Excellence“, erarbeiteten sich die Jungfacharbeiter*innen beim diesjährigen Wettbewerb.

Doppelgold im Bau

Um den Erfolg richtig einzuordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf das Starterfeld:  Heuer nahmen 1.251 junge Fachkräfte aus 77 Nationen teil. Für Österreich war es bereits die 29. Teilnahme an diesem Bewerb. Ein Blick auf die Sieger*innenliste zeigt, dass die asiatische Konkurrenz sehr stark war. Besonders erfreulich und nicht hoch genug einzuschätzen, ist der Doppelerfolg in den Baudisziplinen. Die Betonbauer Alexander Tury und David Wagner gewannen Gold ebenso wie der Maurer Robert Gradl. Außergewöhnlich: Bei den Maurern wurde Gold gleich zweimal vergeben. Neben Österreich belegte auch die VR China den ersten Platz in dieser Kategorie, was ein Indiz für die Stärke des Teilnehmerfeldes ist.

Wie selektiv der Bewerb tatsächlich war, lässt sich an der Leistung der Betonbauer festmachen: Vier anstrengende Tage mit insgesamt 22 Stunden konzentrierter Wettbewerbszeit mussten Alexander Tury und David Wagner absolvieren, um ihre Konkurrenten aus Deutschland und Brasilien zu schlagen. Für Österreich bedeutet die Goldmedaille bei den Betonbauern gleichzeitig die Titelverteidigung. Bereits vor zwei Jahren gewann Österreich die Sparte Betonbau, die bei den World Skills 2015 in Brasilien neu geschaffen worden war.

Österreichs Medaillengewinner*innen im Überblick:

Goldmedaillen: 
• Sebastian Gruber, Gruber GmbH, im Beruf Maler (Best of Nation) • Alexander Tury und David Wagner, Strabag AG, im Beruf Betonbau • Robert Gradl, Otto-Duswald KG, im Beruf Maurer
• Armin Taxer, Auer Haustechnik- & Wellness GmbH, im Beruf Sanitär-und Heizungstechnik

Silbermedaillen: 
• Andreas Stiegler, Wieser Wohnkeramik GmbH, im Beruf Fliesenleger • Magdalena Halbmayr, Kurkonditorei Oberlaa, im Beruf Konditor
• Franz Kalss, AKE – Ausseer Kälte und Edelstahltechnik GmbH, im Beruf Metallbau

Bronzemedaille: 
• Patrick Taibel, HTL Wien 3 Rennweg, im Beruf IT Netzwerk- und Systemadministration
• Christoph Fürnschuss, Haberl & Fink´s, im Beruf Koch
• Monika Pöllaubauer, Landgasthof Willingshofer, im Beruf Restaurantservice
• Sarah Ruckenstuhl, DHL Freight Austria, im Beruf Speditionskaufmann


Links:

Informationstage für Lehrbetriebe

Sie wollen Lehrlinge ausbilden? Sie haben vielleicht Fragen zu den Coachingangeboten für Lehrbetriebe und Lehrlinge. Sie wollen als Unternehmen mehr über die Modalitäten der Lehrabschlussprüfung wissen…

Wenn dies der Fall ist, dann sei Ihnen folgender Termin ans Herz gelegt.

Am 17. Oktober und am 22. November finden im Gewerbehaus der Wirtschaftskammer Wien die „Informationstage für Wiener Lehrbetriebe“ statt.


Informationstage für Wiener Lehrbetriebe

17. Oktober 17.00 bis 20 Uhr
22. November 09.00 bis 12.00 Uhr
Gewerbehaus der Wiener Wirtschaft
Rudolf Sallinger Platz 1
1030 Wien

e-Commerce Lehre ab 2017/2018 möglich

Der Lehrberuf des Einzelhandelskaufmann / Einzelhandelskauffrau umfasst derzeit 15 Ausbildungsschwerpunkte. Ab 2017/2018 kommt ein Ausbildungsschwerpunkt dazu: der „Digitale Verkauf“ oder schicker als „e-commerce“ bezeichnet.

Ein langer Weg

Es war ein langer Weg der hartnäckigen Überzeugungsarbeit, nachdem dem neuen Berufsbild anfänglich viel Ablehnung entgegenschlug. Nachdem wir Studien vorgelegt haben, in denen sich die betroffenen Jugendlichen und deren Eltern ebenso wie die heimischen Unternehmen eindeutig für die E-Commerce Lehre ausgesprochen haben, konnten schließlich auch die Sozialpartner für die Umsetzung gewonnen werden, was uns freut, so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands über den langen Weg die Lehre des Einzelhandelskaufmanns oder der Einzelhandelskauffrau auf e-commerce auszurichten. Die Forderung nach einer Modernisierung der Lehre wurde bereits vor einigen Jahren eingebracht. Konkrete Ausbildungsinhalte hat der Handelsverband bereits 2016 vorgeschlagen.  Eile war geboten: Denn gerade die Erfolge von Amazon.com und anderen Online-Händlern machen klar, dass der Handel sich stark verändert (hat). Die Lehre muss(te) mit diesen rasanten Veränderungen Schritt halten. Der Bedarf an gut ausgebildetete E-Commerce-Kaufleuten wird deutlich, wenn man sich folgende Zahlen vor Augen führt. Medianet.at berichtet, dass „alle heimischen Online-Shops zusammen im Jahr 2016 einen Umsatz von 3,4 Mrd. € erzielten“ während „der Umsatz von Amazon in Österreich bei mehr als einer halben Mrd. € [lag]“.

Personalmangel

Laut Handelsverband suchen die österreichischen Handelsbetriebe derzeit sehr stark nach gut ausgebildeten Lehrlingen. Man bildet selbst wieder verstärkt aus und versucht mit attraktiven Angeboten zu punkten. So auch mit dern neuen Lehre. Bereits Anfang Juli 2017 wurde in Österreich mit dem Lehrberufspaket 2017 die Implementierung des Ausbildungsversuchs „Digitaler Verkauf“ im Rahmen der Einzelhandelslehre beschlossen. Auch in anderen Berufen hat man digitale Ausbildungspunkte verankert. Nach einer fünfjährigen Testphase soll das „digitale“ Zusatzangebot evaluiert werden. Der Handel zieht bei dieser Entwicklung nun endlich mit und setzt den neuen Lehrberuf „E-Commerce-Kaufmann/-frau“ ab 2018 um.

Deutschland um einen Tick schneller

In Deutschland, wo es die E-Commerce-Lehre bereits gibt, werden 2021 die ersten E-Commerce-Kaufleute ihre Ausbildung abschließen. Vielleicht war auch dies ein Argument die neuen Ausbildungsschwerpunkte umzusetzen. Offensichtlich befürchetete man, dass deutsche E-Commerce-Kaufleute nach Österreich kommen könnten.


Quellen:

Burschen werden KFZ-Techniker und Mädchen Friseurinnen

Entscheidungen über Entscheidungen

Der Befund wird seit vielen Jahren durch die Statistiken gestützt. Burschen wählen technisch/gewerbliche Berufe, Mädchen eher Dienstleistungsberufe. So weit, so bekannt.

Warum sich Jugendliche auch im Jahr 2017 noch für geschlechtstypische Ausbildungen entscheiden, hat die Universität Graz untersucht. Ao.Univ.-Prof. Dr. Manuela Paechter vom Institut für Psychologie und  HS-Prof. Dr. Silke Luttenberger von der Pädagogischen Hochschule Steiermark gingen der Frage nach, wieso Mädchen und Burschen sich an klassischen Berufs- und Karrierewegen orientieren. In einer Presseaussendung der Uni Graz heißt es:

„Bei ihren Karrierevorstellungen orientieren sich SchülerInnen zunächst an ihrem sozialen Umfeld, in erster Linie an den Eltern“, haben die Wissenschafterinnen erhoben. Berufe, die aus der Familie nicht bekannt sind, werden im Regelfall erst gar nicht in Betracht gezogen. „Und sogar die Einschätzung des eigenen Könnens wird von Stereotypen geprägt“, präzisiert die Psychologin. Traut also der Freundeskreis einem Mädchen kein technisches Talent zu, zweifelt es selbst auch an seinen Fähigkeiten.

Berufswahl wird vererbt

Paechter geht sogar noch weiter. Die Berufswahl würde in gewisser Weise durch die Eltern bereits vererbt werden. Auch das soziale Umfeld sei entscheidend. Die Berufswahl funktioniert also wohl nach dem Prinzip: „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Bereits 2014 veröffentlichten Luttenberger und Paechter zusammen mit Ertl und Aptarashvili einen Band in der Zeitschriftenreihe „Gruppendynamik und Organisationberatung“ (Springer Verlag) zum Thema. Im Editorial steht:

„Geschlechtsstereotype Einstellungen zu Fächern und Berufen sind dabei nach wie vor weit verbreitet. Durch Sozialisationsinstanzen (Eltern, Peers, Schule) werden häufig Geschlechtsstereotype reproduziert und bei der Entwicklung von Selbstwirksamkeitserwartungen, Interessen und Berufsentscheidungen gefestigt. Bereits im Schulbereich lassen sich geschlechtsbezogene Interessensunterschiede festmachen, die auch im Kontext beruflicher Interessen und in weiterer Folge geschlechtsstereotypen Berufsentscheidungen ihren Weg finden.“ (Luttenberger und Co, 2014, Seite 315)

Mit anderen Worten: Die Einstellung der Kinder und Jugendlichen zum Thema Schulfach, Berufsinteresse und Talent wird durch die Eltern, den Freundeskreis und die Schule geformt und gefestigt. Bereits in der Schulzeit kommt es je nach Geschlecht zu unterschiedlichen Interessen. Das Umfeld hat daher entscheidenden Einfluss auf die späteren beruflichen Entscheidungen der Kinder. Die Studienautorin gibt ein konkretes Beispiel: „Wir haben eine kleinere Gruppe von Jugendlichen interviewt, die dann etwa berichteten, dass sie sich schon als Kind mit dem Vater mit Baukästen beschäftigt haben oder dass die Väter und Mütter etwas aus der Arbeit mitgebracht haben, was mit dem Beruf zu tun hatte.“  (ORF Online)

Die Prägung bereits in der Volksschule

Laut Studienautorinnen komme die Berufsorientierung in der Schule eigentlich zu spät. Für die Studie wurden knapp 600 Jugendliche befragt, weit über 80 Prozent davon streben eine geschlechtstypische Lehrausbildung an. Die (Vor)urteile haben sich bereits verfestigt und auch das Selbstbild scheint bei den meisten Befragten  schon in eine bestimmte Richtung zu tendieren. Diese Erkenntnis ist einigermaßen neu. Nicht neu ist jedoch die Erkenntnis, dass es bei den Pflichtschulabgänger*innen an Wissen über die Berufswelt und die gebotenen Möglichkeiten der Lehrausbildung fehlt. Deshalb seien Initiativen wie „Girl’s und Boy’s Day“, die versuchen zukünftige Lehrlinge für atypische Berufe zu begeistern, nur für jene Schüler*innen interessant, die sowieso offen für Neues sind. Daher sollte man bereits früher ansetzen und einen spielerischen Umgang mit dem Thema wählen.

Talente frühzeitig „checken“

„Es geht uns keineswegs darum, Mädchen in die Technik und Burschen in den Sozialbereich zu drängen“, unterstreicht Manuela Paechter. Wichtig sei es, dass Jugendliche ihre Interessen kennen und ihre Talente frühzeitig erkennen würden.


Quellen:

 

Österreichs Facharbeiter*innen wollen bei den World Skills abräumen…

Bei der Euroskills 2016 in Göteborg räumte Österreich groß ab. 35 Teilnehmer*innen gewannen 15 Medaillen (5 Gold, 5 Silber, 4 Bronze) und 9 Medaillon-Diplome, die für eine sehr hohe Punktzahl stehen.  Lisa Janisch wurde, als Malerin, zur „Best of Europe“ gekührt – ein beeindruckender Erfolg.

Vierzig Jungfacharbeiter*innen starten im kommenden Herbst bei den World Skills in Abu Dhabi

Nun beginnen die Vorbereitungen für die Berufsweltmeisterschaften 2017 in Abu Dhabi. Waren es 2016 „nur“ zwei Wiener, die dem österreichischen Kader angehörten, werden es für Abu Dhabi fünf Jungfacharbeiter*innen aus der Bundeshauptstadt sein. Daniel Frank geht als Elektroniker an den Start,  Magdalena Halbmayr wird als Konditorin ihr Können beweisen, Patrick Taibel vertritt die IT Netzwerk- und Systemadministratoren. Alexander Tury und David Wagner treten als Maurer und Schalungsbauer an. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass Magdalena Halbmayr und Patrick Taibel in Niederösterreich wohnen und in Wien ausgebildet wurden.  Auch die Betonbauer  stammen aus den Bundesländern – treten jedoch für ihr Wiener Unternehmen an. Somit  ist Daniel Frank der einzige „waschechte“ Wiener.

Zusätzlich wird das Team von 12 Wiener Fachtrainer*innen oder sogenannten Expert*innen, wie es im Fachjargon heißt, begleitet: Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen. Einerseits handelt es sich um Lehrlingsausbildner*innen direkt aus den Unternehmen, andererseits sind auch HTL-Lehrer*innen und Berufsschulehrer*innen mit dabei.

Insgesamt wird die Hauptstadt der Vereinigten Emiraten 40 Teilnehmer*innen aus neun Bundesländern begrüßen dürfen (7 Frauen und 33 Männer).  Sie treten in 36 Einzel- und Teambewerben an. Unterstützt werden die einzelnen „Wettkämpfer*innen“ von insgesamt 37 Expert*innen.

Hohe Messlatte

Aus Wiener Sicht haben es besonders die Betonbauer Alexander Tury und David Wagner, die bei einem der größten österreichischen Bauunternehmen eine Doppellehre zum  Maurer und Schalungsbauer absolviert haben, sehr schwer. Die Messlatte ist sehr hoch: Ihre Kollegen gewannen 2015 beim letzten Word Skills-Bewerb in Sao Paulo (Brasilien) den Titel. Die beiden Betonbauer planen dem Einvernehmen nach 7 Wochen intensives Training für den Bewerb.

Die Qualität der österreichischen Maurer- und Schalungsausbildung hat sich bereits herum gesprochen. Laut einem Bericht der „Wiener Wirtschaft“ trainiert ein Team aus Russland in der Bauakademie in Guntramsdorf. Die österreichischen Ausscheidungen im Schalungsbau hatten dadurch sogar einen internationalen Charakter. Zwei russische Schalungsbauer nahmen am Bewerb teil und wurden sensationelle Dritte.

Kurztrainingslager

Nach der Zusammenstellung des Nationalteams begann die heiße Phase des Trainings. Die Teilnehmer*innen trafen sich in der ersten Juliwoche in der neu eröffneten BauAkademie in Oberösterreich, um ein dreitägiges Trainingsprogramm zu absolvieren. Ein wichtiger Aspekt des Lehrgangs war das Teambuilding. Die individuelle Trainingsarbeit wird über den Sommer weiter geführt. Gemeinsam mit den Expert*innen trainieren die Teilnehmer*innen in ihren jeweiligen Berufssparten – oft zusätzlich zur regulären Arbeit. Aber auch Wettkämpfe stehen auf dem Programm. In der Sparte Mechatronik wurde ein Länderkampf zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz organisiert und – so wie die russischen Betonbauer – nahmen auch einige österreichische Teilnehmer*innen an einem ausländischen Bewerb teil. Im Juni fand die „China International Skills Competition“ statt.

Wettbewerb in China

Laut WKO rangen beim Bewerb in der VR China insgesamt rund 1.100 Teilnehmer*innen aus 38 Ländern um Medaillen. Der Niederösterreicher Klaus Lehmerhofer konnte in der Sparte KFZ den sensationellen zweiten Platz erkämpfen. Auch sein Kollege aus dem Karosseriebau, Simon Winder (Vorarlberg), erreichte eine Platzierung unter den Top 10. Er wurde 7. Der burgenländische Bautischler Walter Sailer gewann ebenfalls Silber. Monika Pöllabauer (Steiermark) holte in der Kategorie „Restaurant Service“ sogar die Goldmedaille.

Darüber hinaus kehrten Isabella Schierl (Salzburg / Mode Technologie) und  Daniel Frank (Wien / Elektronik) mit einem sogenannten Diplom „Medallion for Excellence“ nach Österreich zurück. Die Medaillons sind nicht zu unterschätzen; sie gehen an Kandidat*innen, die zwar keine Medaille erreichten, dennoch mehr als 500 von 600 möglichen Punkten erzielten. Medaillongewinner*innen haben meistens nur um wenige Punkte eine Medaille verfehlt. Die Diplome sind jedoch mehr als ein Stück Papier. Sie beweisen, dass man eine sehr gute Leistung brachte und dass die Konkurrenz enorm  stark war.

Die Weltherrschaft erzielen

Das österreichische Nationalteam der Jungfacharbeiter*innen ist also bereits jetzt gut vorbereitet auf die „World Skills“, die Mitte Oktober in den Vereinigten Emiraten stattfinden. Die Österreicher*innen wollen – angesichts der guten Ergebnisse in China – mit etlichen Medaillen nach Österreich zurück kehren.

Übrigens finden die nächsten Euroskills – also die Europameisterschaften der Jungfacharbeiter*innen – 2018 in Budapest und 2020 in Graz statt. (Fast) ein (doppeltes) Heimspiel für das bereits jetzt die organisatorischen Vorbereitungen laufen.


Quellen:


Dieser Artikel erschien zuerst auf whatelsen.work

Lehre mit Matura – wie geht das?

 

„Lehre mit Matura“ klingt verlockend?  Aber wir funktioniert „Lehre mit Matura“?  Was unterscheidet die „Lehre mit Matura“ von der gewöhnlichen Lehre? Die Lehrlingsbox fasst die wichtigsten Aspekte zusammen…

Grob gesagt versteht man unter „Lehre mit Matura“  die Möglichkeit einen Lehrberuf mit einer Matura zu kombinieren. Zwei Wege sind möglich…

Zuerst die Matura, dann eine Lehre anschließen

Nicht alle, die eine Matura erfolgreich abgelegt haben, wollen gleich studieren. Immer mehr junge Erwachsene entscheiden sich für eine Lehre nach der Matura, da man so Geld verdienen kann und trotzdem eine Berufsausbildung absolvieren kann. Lehrlinge, die bereits die Matura abgeschlossen haben, können in einer verkürzten Lehrzeit die Lehre absolvieren. Bei einer 3-jährigen Lehre wird das Lehrjahr quasi auf 8 Monate verkürzt. Entsprechend wird auch die Lehrlingsentschädigung anders geregelt.

Zuerst die Lehre, dann die Matura

Auch diese Möglichkeit ist gegeben.  Durch die sogenannte  Berufsreifeprüfung kann die Lehre als vorwiegend praktisch ausgerichtete Berufsausbildung mit den Vorteilen einer Matura, die dann etwa zu einem Studium an einer Fachhochschule oder einer Universität berechtigt, verbunden werden.

Das Interessante ist: Die Berufsreifeprüfung kann parallel zur Lehrausbildung begonnen werden. Allerdings darf  die letzte von vier Teilprüfungen erst nach der Lehrabschlussprüfung abgelegt werden. Wenn alle Prüfungen absolviert wurden (Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprache, Fachbereichsprüfung), dann erhält man eine sogenannte Berufsmatura, die aber genauso wie eine „normale“ Matura (AHS etc.) zählt und zum weiteren Studium berechtigt. Außerdem muss man bei der letzten Prüfung das 19. Lebensjahr bereits vollendet haben. Wenn man also mit 15 in die Lehre einsteigt und mit 18 die Berufsausbildung abschließt, kann man die Berufsmatura erst ein gutes Jahr später vollständig ablegen.

Allerdings ist dieses Modell sehr aufwändig, da natürlich das Lernen für die Matura  neben der normalen Arbeitszeit und der Berufsschule, laufen soll. Es gibt keine geregelte Schule für die Berufsmatura,  da die Berufsmatura eine reine Externistenprüfung ist. Zwecks Vorbereitung kann man Kurse besuchen. Die Kurse können sogar in die Lehre integriert werden. Entsprechende Regelungen sind jedoch mit dem Ausbildungsbetrieb abzuschließen. Durch die Novelle des Berufsausbildungsgesetzes im Jahr 2015 ist es Lehrberechtigten und Lehrlingen einfacher möglich, gemäß § 13a BAG die Lehrzeit aufgrund des Besuches von Vorbereitungslehrgängen zur Absolvierung der Berufsreifeprüfung zu verlängern.

Es wäre jedoch auch möglich durch Privatunterricht sich auf die Berufsmatura vorzubereiten. Aufgrund der Intensität einer solchen Vorbereitung besuchen viele Lehrlinge erst nach dem Lehrabschluss  einen entsprechenden Kurs und schließen die Berufsreifeprüfung erst an die Lehre an.


Links zu Lehre mit Matura


Testen Sie Ihr Wissen zum Thema Lehre mit dem Lehrlingsbox-Quiz

Mit Lehre studieren

„Eigentlich möchte ich studieren.“ Diesen Satz hört man öfters auch von Lehrlingen. Und im Nachsatz hört man dann:“ Aber ohne Matura geht das nicht…“

Das ist nur bedingt richtig. Nach einer abgeschlossenen Lehre kann man sehr wohl studieren. Eine Möglichkeit besteht darin, die Berufsreifeprüfung zu machen – oder eine Studienberechtigungsprüfung. Der Unterschied: Die Berufsreifeprüfung ist wie eine normale Matura und berechtigt zur Teilnahme an allen Studienbereichen – egal ob Universität oder Fachhochschule. Es ist auch ein Studienwechsel möglich, während mit der Studienberechtigungsprüfung nur bestimmte Studienrichtungen zugänglich sind und ein Studienwechsel viel schwieriger ist. Für die Berufsreifeprüfung ist aber der Abschluss einer Lehre Voraussetzung.

Studieren ohne Matura oder Berufsreifeprüfung

Insbesondere Fachhochschulen bieten ausgelernten Fachkräften die Möglichkeit an, ohne Matura zu studieren. Dies liegt daran, dass Fachhochschulen ein eigenes Bewerbungsprozedere haben – und das ist die gute Nachricht: Ausgelernte Kräfte brauchen oft nur die eine oder andere Zusatzprüfung. In den technischen Fächern ist es meistens Mathematik und Physik. Englisch kommt hin und wieder auch dazu. Etliche Fachhochschulen bieten eigene Vorbereitungskurse an, da die Prüfungen „inhouse“ also im Studiengang abgenommen werden.

Im universitären Bereich sind es die Kunsthochschulen, die bereits seit längerem den Weg der Qualifikation via Begabung und weniger via Schulnoten gehen.  An der Akademie der bildenden Künste ist „für ausschließlich künstlerische Studien  keine Matura erforderlich“. Man weist jedoch darauf hin, dass im Rahmen einer Zulassungsprüfung der Nachweis der künstlerischen Begabung und Eignung von den zukünftigen Studierenden erbracht werden muss. Die Matura (zusätzlich zum Nachweis der künstlerischen Eignung) sei jedoch für das Studium der Architektur und der künstlerischen Lehramtsstudien eine Bedingung.

Auf jeden Fall sei das Interesse bei Lehrlingen vorhanden. Viele wollen studieren. Dies berichtet die Tageszeitung „die Presse“ am 28. Mai. „Die Ergebnisse hätten ihn positiv überrascht, sagt Christian Pfeiffer von der FH Burgenland. Er hat in Berufsschulen erhoben, wie hoch das Interesse sei, einen Vorbereitungslehrgang zu besuchen, um selbst einmal studieren zu können. „48 Prozent der befragten Schüler haben uns Rückmeldung gegeben“, sagt Pfeiffer, „37 Prozent der Teilnehmer können sich sehr gut bzw. gut vorstellen, selbst einen Lehrgang zu besuchen, um später auch zu studieren.““

Meisterprüfung ist gleich Bachelor

Generell ist es also sinnvoll den Lehrabschluss zu absolvieren, auch wenn man vielleicht den Drang verspürt „mehr“ oder etwas „anderes“ lernen zu wollen.  Und noch etwas: Demnächst soll eine österreichische Meisterprüfung im europäischen Vergleich einem Bachelor entsprechen. Ab 2018 sollen alle österreichischen Berufsabschlüsse eingestuft werden und mit Abschlüssen in ganz Europa vergleichbar werden – dies ist sicherlich ein Anreiz für alle, die ins Ausland gehen wollen.

Lehre im digitalen Zeitalter: e-Commerce-Lehre, Glasverfahrenstechnik und Fahrrad-Mechatronik

e-Commerce ab 2017/2018 in die Lehre integriert. Foto: pexels

Der Greißler und Nahversorger ums Eck wird vielleicht schon bald nur mehr eine nostalgische Erinnerung sein. Der Versandhandel hat dank des Internets und der bequemen Onlineshops eine Renaissance erlebt. Daher verwundert es nicht, dass der Online-Handel eine sehr stark wachsende Branche ist – und doch gibt es bis dato keine Ausbildung, die diesem Umstand Rechnung trägt.

Dies soll sich nun ändern, da Lehrlinge im Einzelhandel schon bald das optionale Modul „digitaler Verkauf“ wählen dürfen. Laut futurezone soll „zu den bisher angebotenen 15 Fachschwerpunkten in der Einzelhandels-Lehre (u.a. Lebensmittel, Mode, Elektronik, Kfz) (…) ab dem Ausbildungsjahr 2017/18 zusätzlich den Schwerpunkt „Digitaler Verkauf““ angeboten werden. „Der Schwerpunkt wird für fünf Jahre als Pilot eingerichtet und dann soll entschieden werden, ob die Inhalte im Regellehrberuf integriert werden.“ Übrigens lassen sich schon Inserate finden, die beweisen, dass Unternehmen explizit auf den Bereich e-Commerce ausbilden wollen.

Im Herbst 2017 soll also im Pilot Schritt für Schritt eine eigenständige Lehre für E-Commerce entstehen. Der Bedarf an Lehrlingen sei derzeit zwar noch schwer abzuschätzen, allerdings wachse der Onlinehandel jedes Jahr um 5 Prozent. Außerdem ergab eine Studie des Handelsverbandes, die bereits Anfang 2016 veröffentlicht wurde, dass 70 Prozent der befragten Unternehmen Lehrlinge in diesem Bereich ausbilden und 30 Prozent der befragten Unternehmen sogar höhere Lehrlingsentschädigungen zahlen würden.

Digitalisierung – mehr als ein Trend: Neue Lehrberufe

Insgesamt will das zuständige Bundesministerium für Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft bis 2020 stolze 57 Lehrberufe modernisieren und der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung Rechnung tragen. Laut Aussendung des Ministeriums bringt das Lehrberufsspaket 2017 acht neue oder modernisierte Lehrberufe mit sich: Neben dem bereits erwähnten Bereich e-Commerce, soll auch die Steuerung von digitalen Anlagen in die entsprechenden Lehrlingsbilder einfließen. Ferner überlegt man in folgenden Bereichen Lehrberufe zu erschaffen oder zu adaptieren: Glasverfahrenstechnik, Informationstechnologie, Installations- und Gebäudetechnik, der bereits angesprochene E-Commerce-Kaufmann bis zum künftigen Fahrrad-Mechatroniker oder Sportgerätetechniker.

Quellen: