Des einen Freud‘ – des anderen Leid… Zahlenspiele

Des einen Freud‘ – des anderen Leid… Zahlenspiele

… lautet ein altes, etwas abgedroschenes Sprichwort. Ein alter Hut. Ebenso wie der Spruch vom Rauch und vom Feuer. Und doch funktionieren die Zahlenspiele namens Statistik, so wie alte Sprichwörter. Ein Beispiel: Die Wirtschaft freut sich über viele neue Lehrlinge. Die Arbeitnehmerseite bedauert natürlich den Mangel an Lehrstellen. Zwei kommunizierende Gefäße.

Mehr Lehrstellen und zu viele Suchende

Nachdem die WKO im Januar 2018 über ein Plus bei Lehrstellen informierte, zieht die AK (Arbeiterkammer) nach und kritisiert, dass immer noch Lehrstellen fehlen. Laut „AK für Sie“ (Ausgabe Februar 2018) würden in Österreich 22.000 Jugendliche eine Lehrstelle suchen. Diese Zahl setzt sich aus jungen Menschen, die sich direkt bewerben, die beim AMS gemeldet sind und jenen in überbetrieblichen Ausbildungen zusammen. Knapp 7.000 Lehrlinge könnten sofort vermittelt werden, da sie beim AMS gemeldet sind (Stand AK; Nov/2017)

Die Wirtschaft würde laut AK österreichweit jedoch nur 4.300 Lehrstellen anbieten (Stand Dezember 2017). Aktuell seien es sogar 5000. Die Vertreter*innen der Arbeiterkammer sind daher der Meinung, dass der von der Wirtschaft bemängelte Fachkräftemangel nicht so hoch sein könnte. Die Logik ist bestechend: Wenn auf der einen Seite zu wenig Lehrstellen vorhanden sind und auf der anderen Seite Lehrstellen nicht besetzt werden können, passt etwas nicht. Dazu braucht man kein Genie zu sein. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels dürfte es ja keine offenen Lehrstellen geben und die Betriebe brauchten nur Lehrlinge aufnehmen. Einfach oder?

Es geht um die Art der Darstellung

Die Frage, wieso es bei 22.000 Lehrstellensuchenden und gerade 5.000 angebotenen Lehrstellen überhaupt offene Lehrstellen gibt, wird weder von AK noch von WKO wirklich beantwortet. Helmut Mahringer vom wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) klärt in der Bezirkszeitung auf:

 „Die WKÖ stellt offensichtlich offene Lehrstellen und Lehrstellensuchende unabhängig von deren aktueller Verfügbarkeit einander gegenüber. Die AK errechnet fehlende Lehrstellen von rund 17.700 anhand der Differenz zwischen sofort verfügbaren offenen Lehrstellen und der Summe aus sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden und Jugendlichen in AMS-Schulungen inklusive der Jugendlichen in überbetrieblichen Lehrausbildungen.“ erklärt Mahringer.

Lehrstellensuchenden wird es wahrscheinlich ziemlich egal sein, wer nun recht hat. Sie wollen eine Lehre machen, im Optimalfall in einem Beruf, den sie mögen und den sie mehr als nur ein paar Jahre ausüben möchten. Den Betrieben werden die Zahlenspielereien auch egal sein. Sie wollen im Bestfall nicht einfach nur Lehrlinge aufnehmen, sondern für die Zukunft ausbilden und lange im Betrieb behalten.

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lehrlingsbox administrator

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